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Solo für die Hausparty

Erschienen in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG am 22.6.1996



Solo für die Hausparty

Der Musiker Robert Fuchs wollte Star werden, nun bringt er Altersheime in Schwung, doch sein Herz kennt keinen Schmerz

Sonthofen, im Juni - Es will keine ausgelassene Stimmung aufkommen bei diesem Tanznachmittag im Seniorenheim Gräfelfing. Robert Fuchs gibt sich wirklich Mühe, will die Heimbewohner mit Liedern zum Lachen, Schunkeln und Tanzen bewegen: 'Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel', singt er. Und dann 'Horch, was kommt von draußen rein'. Aber weder beim 'Hollahi' noch beim 'Hollaho' stimmt einer mit ein. Robert Fuchs könnte ganz locker sein Programm abspulen. Aber er steht unsicher am Rande der Tanzfläche und bückt sich etwas verkrampft über seine Keyboards. Er hat Lampenfieber.

Seit elf Jahren arbeitet Robert Fuchs als Alleinunterhalter. Er hat bei Hunderten von Geburtstagen und Hochzeiten gespielt. Er ist zusammen mit Costa Cordalis bei einer Gala in Wien aufgetreten, stand mit dem Trompeter Walter Scholz auf der Bühne, hat 4000 Discobesucher zum Tanzen animiert und Horden von deutschen Urlaubern auf den Kanaren zum Schunkeln gebracht. Doch der Auftritt im Altersheim ist eine Premiere, und Fuchs nimmt seine Aufgabe ernst. Soll er leiser oder lauter spielen, Volksmusik oder Oldies? In der Pause sitzt er nachdenklich am Tisch und murmelt: 'Das wird schwer. Das wird schwer.'

Wenn es ernst wird mit dem Lustigsein, also bei Geburtstagen, Hochzeiten oder Jubiläen, dann muß ein Mann wie Robert Fuchs her. Einer, der garantiert dafür sorgt, daß keine Langeweile aufkommt. Denn in der Freizeitgesellschaft wollen sich immer weniger auf die eigene Spaßkompetenz verlassen. 'Der Bedarf an Alleinunterhaltern hat in den letzten Jahren stark zugenommen', sagt Wolf-Rainer Meyer vom Künstlerdienst München. In seiner Kartei sind 40 professionelle und 60 semiprofessionelle Alleinunterhalter verzeichnet. Profis wie Robert Fuchs sind auf Monate hinaus ausgebucht, weil sie schnell und kostengünstig Stimmung erzeugen können. Es genügt nicht, eine Diskette in den Musikcomputer zu schieben und freundlich zu lächeln. Fuchs versteht es, die Laune einer Gesellschaft durch seine Musikzusammenstellung bis an den Rand der Ekstase zu steigern. Bei einem Geburtstagsfest in Augsburg spielt er während des Essens dezente Hintergrundmusik, danach den 'Schneeschneeschneeschneewalzer' zum Auftauen. Mit 'Ein bißchen Tschingderassabumm' bringt er die Runde zum Schunkeln und mit 'Marmor, Stein und Eisen bricht' zum Ausrasten. Dazu benötigt er selten Kommandos wie 'Auf gehts' oder 'Und jetzt alle'. Fuchs beherrscht sein Handwerk so gut, daß er den Verlauf des Abends allein über die Auswahl der Titel steuern kann.

Seite zuletzt bearbeitet: 07.04.2004
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