Flensburg ist bekannt für Beate Uhse, für die Punkte, die das Kraftfahrtbundesamt dort sammelt. Und für Leif Boysen.
„Leif Boysen, Flensburg“ – diese Autorenzeile taucht regelmäßig auf den Leserbriefseiten von Spiegel, Focus, Zeit, Stern, Bild am Sonntag, Frau im Spiegel, Playboy, 7 Tage, Glücks-Revue, Geo oder Gala auf. Jede Woche gibt Leif Boysen aus Flensburg in der deutschen Presse seine Kommentare ab. Über die Sommerhitze, über den Offenen Strafvollzug oder über Queen Mum. Über Bill Clintons Sex-Skandal: „Hut ab vor Hillary Clinton. Aber warum liefert sie sich einer seelischen Folter aus, der sie nicht mehr lange standhält?“ Über den Artikel „König Mammon meuchelt die Mainzelmännchen“: „Die Mainzelmännchen zu streichen, ist gemein!“ Oder über Arztbesuche: „Ausharren im Wartezimmer gehört wie das Vorspiel zum Sex. “
„Leif Boysen, Flensburg“ stand bislang unter 1275 veröffentlichten Briefen. So oft erscheint der Name auf den Leserbriefseiten, dass viele Leser glauben, Boysen sei ein Profi-Schreiber, ein Phantom und/oder ein Wahnsinniger. „Könnte es sein, dass Herr Boysen ein schreibwütiger Amerikaner ist?“ rätselte Gül Sökmen aus Aachen in der Glücks-Revue. „Mich würde interessieren, ob Herr Boysen ab und zu Nahrung zu sich nimmt oder schläft“, fragte ein Herr Meyerdierks aus Bremen im gleichen Blatt.
Wir haben Leif Boysen in Flensburg besucht und Folgendes festgestellt: Er heißt wirklich so (der Name Boysen stammt aus Skandinavien und ist in Flensburg weit verbreitet), er nimmt Nahrung zu sich (zum Beispiel Pizza Hawaii und Spezi), er arbeitet (bei der Staatsanwaltschaft in Flensburg). Und er schreibt alle Leserbriefe selbst. Auf dem Schreibtisch seiner 34 Quadratmeter kleinen Wohnung im neunten Stock eines Hochhauses steht eine elektrische Schreibmaschine, auf der er täglich Briefe tippt. Wochentags mindestens eine halbe Stunde lang, bis zu sieben Stunden am Wochenende. Leif Boysen ist kein „Rentner, der seine gesamte Freizeit mit dem Schreiben von Leserbriefen verbringt“, wie ein anderer Leserbriefschreiber argwöhnte, sondern ein 29-jähriger Justizbeamter, der seine gesamte Freizeit mit dem Schreiben von Leserbriefen verbringt.