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Lesen Sie mehr über ungewöhnliche Skikurse in Geo Saison 11/05!



Quäl dich, du Sau!

Ein Skikurs mit einem Personal Trainer ist hart, aber gut

Ohne anzugeben: Ich fahre gut Ski. Seit meinem viertenLebensjahrstehe ich auf den Brettln. Und inzwischengehöre ich zu jenenFanatikern, die im Winter lieber nachts arbeiten, damit sie den Tag aufder Piste zubringenkönnen. Ich finde mich in Buckeln, im Pulver,aufgewalzten Pisten und zwischen Slalomstangen zurecht.
Aber: Man lernt nie aus. Ich möchte meine Technikweiter verbessern, meine Schwachstellen erkennen, die Fitness steigern.
Dazu brauche ich ein Spezialförderprogramm, ganz auf mich zugeschnitten. Und so kompakt, dass ich es an einem Wochenende absolvieren kann.
Auf Kunden wie mich sind Sport- und Wellnesshotels aus, die Ski-Wochenendenmit personal trainer anbieten. Zum Beispiel das "Aqua Dome" im Ötztal,ein elegantesHotel mit Therme, Sauna, Fitnesszentrum und sportmedizinischer Praxis. Dort hat man mir dasperfekte Trainingswochenende versprochen: Ein Medizin- Coach untersuchtmeine körperlichen Schwachstellen, checkt die Leistungswerte, erstellt einen Trainingsplan. Ein Fitness-Coach kümmert sich um meine Kraft und den Gleichgewichtssinn. Und ein Pisten-Coach feilt an meinerTechnik.
Zum medizinischen Leistungstest begrüßt mich die Sportwissenschaftlerin Isabell Weninger. Sie notiert: "Patient Titus Arnu , Alter 38,4 Jahre,Größe 172 cm, Gewicht 72 kg, männlich,weiß." Jetzt bin ich also nicht mehr Gast, sondern Patient. Es folgt eine Fettmessung.
Ein Ultraschallgerät scannt meinen Körper inklusive Problemzonen. Die "Ganzkörper-Gewebe-Quantisierung" ist erbarmungslos: 13 804 Gramm vonmeinen 71 957 Gramm Gesamtgewicht sind Fett.
Klingt erschreckend, ist nach Isabell Weningers Meinung aber "noch okay". Und ich weiß jetzt,dass mein rechter Arm 59 Gramm mehr Fett enthält als der linke, dass meine linke Körperhälfte 100 Gramm fetter ist als die rechte. Zieht es mich beim Carvendeshalb in den Kurven immer so nach einer Seite? Dann mussich aufs Laufband. An meiner Brust kleben Elektroden, die an einenComputer angeschlossen sind. Isabell Weninger piekst in mein rechtesOhrläppchen, um Laktatwerte zumessen. Sie hetzt mich ohne Erbarmen, bis mein Puls auf 179 ist. "Der Belastungstest wurde nach 25.39 Minutenwegen Ermüdung des Patienten beendet", heißt es später lapidar im Protokoll. Die Empfehlung der Ärztin: Ich könnte ruhig ein bisschen mehr trainieren.
UM9 UHR AM NÄCHSTEN MORGEN soll ich mich im Fitnessstudio einfinden, mit Turnhose und der Bereitschaft, mich zu verbiegen, zu verausgaben und zu quälen. Mein Coach an diesem Vormittag ist Gerald Eder, der sagt, in ein paar Übungsstunden könne man schon viel für Koordination, Kraft und Balance erreichen.
Im Studio steht ein Gerät, das schlicht "MFT" genannt wird: "My FitnessTrainer". Ich würde es "EWB" nennen -extrem wackliges Brett. Es kippt auf einer kleinen Kugel nach rechts und links, nach vorn und hinten. Die Aufgabehört sich leicht an: draufstellen und die Balance halten. Das ist schwieriger als erwartet und beansprucht eine Menge Muskeln, auch solche, von denen man noch nieetwas gespürt hat.
Die an sich schlichte Übung bringt viel fürsSkifahren: Stärkung der Bauch-und Rückenmuskulatur, Stabilisierung der Sprung-, Knie-und Hüftgelenke,Verbesserung des Balancegefühls, Steigerung der Konzentrationsfähigkeit.
Es folgen verschiedene Rückenübungen undHantelsätze. All diese Disziplinen sollen denOberkörper straffen und stärken. Kommt es beim Skifahren nicht auf die Hax'n an? "Diesen Denkfehler machen die meisten", sagt der Coach. "Es ist wichtig, den Oberkörperzustabilisieren." Also: mehr Liegestütze.
Zu meinem individuellen Power-Check gehört auch ein Flug im "Spacecurl". Ich werde im Mittelpunkt von drei konzentrisch angeordneten kreisförmigen Metallbügeln festgeschnallt. Füße und Hüften sind fixiert, den Oberkörper kann ich bewegen. Jede Gewichtsverlagerung führt dazu, dass sich die Bügel drehen. Und jede hektische Ausgleichsbewegung verschlimmert alles,sodass ich innerhalb weniger Minuten mit dem Kopf nach unten im "Spacecurl" hänge. Mir ist schlecht. Ich will nach Hause. Oder wenigstens an die frische Luft. Skifahren.
Mein Betreuer rät mir,mich zu konzentrieren. "Benutzen Sie Ihre Muskeln so, dass Sie das Gerät in den Griff bekommen." Nach einigen Anläufenhabe ich es raus. Der "Spacecurl" wurde von der Nasa für das Astronautentraining entwickelt,um die Körperkoordination in der Schwerelosigkeit zu trainieren.
Für die Pistenfitness ist es nützlich, weil es die Rumpfmuskulatur umfassend beansprucht sowie Konzentration und Kraftsteuerung schult.
An Skifahren ist nicht mehr zu denken, es wird dunkel. Außerdem bin ich so k. o., dass ich nur noch in den Wellnessbereich will. Ich entspanne mich in der Solegrotte, lockere meine Muskelnin der Loftsauna, lasse mich im Open-Air-Whirlpool treiben,dampfe aus im Ruheraum und döse vor den Ötztale rAlpen ein.
Am nächsten Tag treffe ich Ski-Coach Berni Gstrein. Der ehemalige Olympiateilnehmer betreibt im Gletscherskigebiet von Sölden das Salomon-Testcenter. Bei ihm kann man einen "perfect day" buchen - und die Ski wechseln, so oft man will. Wir beginnen mit Allround-Carvern und fahren auf einen mittelsteilen, breiten Hang. Berni schaut sich an, was ich unter Carven verstehe. Er schüttelt den Kopf: "Du drehst den Oberkörper zum Hang. Du musst ihn zum Tald rehen!" Er lässt mich ein paar Schwünge fahren, bei denen ich mich extrem in Talrichtung drehe. Sofort entsteht ein viel besserer Kantendruck.
Wir wechseln auf Snowblades, 99 Zentimeter kurze Mini-Carver.Um den Oberkörper stabil zu halten, soll ich die Arme hinter dem Rücken verschränken - so lerne ich, dass der Schwung aus den Hüften kommt.Das probieren wir auf den neuesten Race-Carvern aus. Die Übertragung der Snowblade-Technik auf die Rennmaschinen hat zur Folge,dass ich die Kurven so dynamisch fahre wie noch nie. Ich spüre,wie sich extremes Carven anfühlen soll:m aximaler Druck auf der Kante,m aximale Beschleunigung in der Kurve, maximaler Spaß.
Am nächsten Morgen habe ich einen Muskelkater in den Glutäen - im Gesäß. War es der Laktatlauf? Der Spacecurl? Hat mich Raketen-Berni zu schnell beschleunigt? Egal, an diesem Kompaktwochenende habe ich mehr gelernt als in all den Jahren zuvor.

INFO >AQUA DOME, Oberlängenfeld 140, A-6444 Längenfeld,Tel. 0043-52 53-64 00, www.aqua-dome.at

Seite zuletzt bearbeitet: 01.11.2005
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