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Fracksausen

Erschienen im MAGAZIN der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG am 27.10.2000



Fracksausen

In Simon's Town in Südafrika streiten sich Tierschützer und Anwohner: Dürfen sich Pinguine wirklich alles erlauben?

Auf dem Golfplatz von Simon's Town entstehen über Nacht geheimnisvolle Löcher. Sie eignen sich nicht zum Putten, denn sie sind bewohnt. Und wer sein Gartentor abends nicht sorgfältig verschließt, findet am nächsten Morgen eine Mulde im Rasen, groß genug, um einen Dackel darin verschwinden zu lassen. Überhaupt scheint jeder Strauch und jeder Grashügel in der kleinen Gemeinde am Kap der Guten Hoffnung einen heimlichen Untermieter zu haben, der streng nach Fisch riecht. Überall raschelt es, trappelt es, fischelt es. Und aus den Büschen niest es. Es ist kein Menschenniesen, kein Hunde- oder Katzenniesen, das Geräusch klingt heiser und hohl und anders als alles Niesen, das man gemeinhin so kennt.

Auf den ersten Blick aber ist Simon's Town ein idyllischer Ort in der Nähe von Kapstadt. Richter, Goldminenbesitzer und Reeder blicken hier aus ihren weiß getünchten Villen auf den Indischen Ozean. Palmenbestandene Privatparks liegen an kleinen Felsbuchten mit weißem Sand und türkisfarbenem Wasser. Doch das Rentnerparadies wird untergraben von dreisten Eindringlingen: von Pinguinen der Sorte Sphensicus demersus.

Die Häuser von Boulders, dem Villenviertel von Simon's Town, sind mit Alarmanlagen und Stacheldraht geschützt. Das mag gegen Einbrecher helfen, nichtaber gegen Pinguine. Die finden überall einen Durchschlupf. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht in irgendeinem Garten der Gemeinde wieder einer jener flugunfähigen Schwimmvögel umherwatschelt, die es immer wieder irgendwie schaffen, die Gitter, Maschendrahtzäune, Mauern und Holzbarrieren zu überwinden. "Pinguine fliegen wahrscheinlich doch", vermutet Lesley Hanson-Moore, eine Anwohnerin, "allerdings nur nachts."

Vor etwa 15 Jahren muss es gewesen sein, da ging ein Pinguinpärchen in Boulders an Land, baute ein Nest und ließ sich wohnhaft nieder. Bekannte, Freunde und Verwandte des Pärchens hielten das für eine gute Idee und folgten den Pionieren. Pinguinpaare pflegen die schöne Tradition, ihr Leben lang zum gleichen Nest zu pilgern. Offensichtlich scheint die Bucht von Simon's Town den afrikanischen Pinguinen zu Fortpflanzungszwecken besonders zu behagen, denn mittlerweile ist die Kolonie auf Tausende von Tieren angewachsen. Ein großer Teil der Vögel kommt von Inseln, in deren Nähe es entweder zu wenig Futter oder zu viele Seehunde gibt. Aus Sicht der Vögel ist Simon's Town gut gewählt: In der Bucht wimmelt es von Sardinen, das Wasser ist nicht zu warm und nicht zu kalt und vor allem: Die Zahl der Fressfeinde hält sich in Grenzen.

Seite zuletzt bearbeitet: 08.07.2004
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