Eine Immobilienbesichtigung kann anstrengend sein. Jetzt sind wir schon eine halbe Stunde lang Stufen gestiegen und durch weite Flure gelaufen - und immer noch nicht über den Eingangsbereich hinausgekommen. Italo Porzio Giusto, der Besitzer, deutet auf die Wände, die seine Habe begrenzen. Gigantisch. Am Horizont erheben sich 1500 Meter hohe Felsen, die nördliche und die westliche Einfassung der Immobilie.
Nach einer knappen Stunde Fußmarsch sind wir im Badezimmer angekommen. Drei gewaltige Duschen stürzen aus einer Höhe von hundert Metern tosend in Whirlpools aus Granit. Fließendes Wasser ohne Ende, leider eiskalt. Auch der Kühlschrank im Obergeschoss ist etwas schwer zugänglich, versorgt den Besitzer dafür aber auf ewig mit Eis. Heizung? Gibt es nicht. Das könnte ein Problem werden, schließlich befinden wir uns hier in einem relativ ungemütlichen Hochtal mitten in den italienischen Alpen.
Kein heißes Wasser, keine Heizung - lässt sich da beim Preis noch etwas machen? "Verhandlungsbasis 1,4 Milliarden", sagt Signor Giusto freundlich, "das ist ein sehr faires Angebot, finde ich." Schließlich seien 1,4 Milliarden Lire etwa 700000 Euro und das sei nicht viel für ein ganzes Gebirge.
Italo Porzio Giustos Immobilienangebot ist der Gipfel des Kapitalismus. Ein komplettes Gebirge für 1,4 Millionen Mark - geht so was denn?
Aber natürlich. "Vendita Catena Montuosa", Gebirgskette zu verkaufen. So steht die Offerte im Internet auf einer Seite des italienischen Providers Canavese Online (www.canavese.it/porzio). Kein Zweifel: Der Mensch will ein in Jahrmillionen gewachsenes Kunstwerk aus Granit und Kalk verscherbeln, für den Preis eines Einfamilienhauses. Und zwar nicht einfach einen Berg, sondern eine ausgewachsene Bergkette mit acht Gipfeln und drei Pässen. Im Preis inbegriffen sind zwanzig Berghütten, ein kleiner Gletscher, ein imposanter Wasserfall und ein Gebirgsbach, der Rio Paschiet.