Jakob kommt aufgeregt über den Hof gerannt: „Die haben hier Kühe und Katzen und Hühner und kleine Schwäne im Stall!“ Kühe, klar. Katzen, auch klar. Hühner, sowieso klar. Aber Schwäne? Und warum kleine Schwäne?
Doch, der Sepp habe ihm gesagt, er solle mal in den Stall gehen und nach den „Schwänchen“ schauen, erklärt Jakob. Der Sepp ist allerdings Österreicher, genauer gesagt Kärntner, ganz genau gesagt Würmlacher, und mit den „Schwänchen“ hat er wohl „Schweinchen“ gemeint. Den breiten Kärntner Dialekt müssen die Kinder erst noch verstehen lernen. Wie so vieles andere auch. Schließlich sind wir hier in einer Schule – der „Alpinschule Kötschach-Mauthen“.
Schule? In den Ferien? „Das kannste vergessen!“, hatte die achtjährige Hannah vorab geunkt. „Voll vergessen!“, hatte der sechsjährige Jakob beigepflichtet. Ferien – das bedeutet im Winter Skifahren, Iglubauen, vor einem warmen Kaminfeuer sitzen und heißen Kakao trinken. Das Geheimnis der „Alpinschule“ ist allerdings, dass man genau diese Dinge tut, dabei etwas lernt und sich gleichzeitig erholt. Die „Alpinschule“ hat sich auf ein alternatives Winterprogramm spezialisiert - kein Trallala, kein Hopsasa, kein Skizirkus, kein Kinder-Club mit Animation, sondern ein aktives, bodenständiges Teilhaben am Leben der Bauern- und Bergführer-Familie Brandstätter.
Zur Familie gehören Sepp Brandstätter, seine Frau Evi, die beiden Söhne Josef und Martin, die Großeltern, die Leonberger Hirtenhündin Leika, der Kater „Neeerv“, Kühe, Kälbchen, Hühner und „Schwänchen“. Und wer gerade zu Gast ist in einem der gemütlichen, einfachen Fremdenzimmer, gehört auch mit zur Familie. Gefrühstückt wird gemeinsam in der Küche, die Kinder helfen nachmittags im Stall mit, und abends sitzen die Erwachsenen zusammen in der Stube, trinken hausgebrannten Schnaps und reden über das, worauf es auf einem Bauernhof in den Bergen ankommt: das Wetter und das Gebirge.