'Wer A sagt wie Acapulco, muß auch B sagen wie Büttner': Unterwegs mit Rudi Büttner, dem Radio-Moderator und Schiffs-Conférencier
Kleiner Scherz am Rande des Pazifiks: 'Wer A sagt wie Acapulco, der muß auch B sagen wie Büttner.' Das ist wohl wahr, was Rudi Büttner da auf der Bühne des 'Europa-Salons' über sich selbst sagt. Auf der Kreuzfahrt von Acapulco nach San Francisco gibt es kaum eine Chance, dem Schiffs-Scherzkeks zu entkommen. Achtmal führt Büttner während der dreiwöchigen Mittel- und Nordamerikareise auf dem Kreuzfahrtschiff MS Europa durch das Abendprogramm, und jedesmal sind launige Begrüßungen und Witze in Versform dabei. Rudis Reimkunst macht auch nicht vor dem Namen des Kapitäns, Engbert Wolters, halt. 'Wolters oder wolters nicht?' fragt Büttner vor dem Auftritt eines Schlagersternchens. Obwohl das Publikum in Wahrheit gar keine Wahl hat.
Die Passagiere auf dem noblen Feriendampfer wissen zunächst nicht, was von diesem ständig sprudelnden Sprach-Witzbold zu halten ist, der so gern Selbstgereimtes rezitiert. Mal betritt Büttner die Bühne von links, mal von rechts, um dies dann selbst zu kommentieren: 'Sie wundern sich doch höchstwahrscheinlich, warum ich mal von links und mal von rechts komme, aber die Cruise-Direktorin hat mir gesagt, ich soll Abwechslung ins Programm bringen.' Die Gäste, durchweg im gesetzten Alter und in feiner Abendgarderobe, schmunzeln sehr wohlwollend. Spätestens aber, als der Conférencier beginnt, über sich selbst zu spaßen, bekommt er die ersten ehrlichen Lacher: 'Ich bin zwar nur 1,62 Meter groß, aber der liebe Gott hat mir ein Mundwerk für 1,92 gegeben.'
Büttner produziert gute Laune, das ist seine Lebensaufgabe. Auf der MS Europa, wo er mindestens einmal im Jahr einen Arbeitsurlaub verbringt, setzt er sich zum Spaß gerne mal die Kapitänsmütze auf und haut Bekannten im Vorbeigehen lachend auf die Schulter. Auch an Land ist nichts vor der positiven Kraft des 68jährigen Unterhalters sicher, nicht einmal Verkehrsdurchsagen. Wenn Rudi Büttner mittwochs beim Bayerischen Rundfunk seine beschauliche Sendung Feierabend moderiert, beschönigt er selbst Meldungen über Staus und schlechtes Wetter mit selbstgebastelten Bonmots: 'Das geht jetzt die Ballonfahrer an: Hochnebel über Bayern.' Wenn es regnet, teilt er seinen Hörern mit: 'Der Himmel weint für uns.'
Büttners Job als Conférencier ist es, die Stimmung erst zu lockern und dann anzuheizen, damit das Publikum bereit ist zum Konsumieren von Schlagern. 'Ich bin ein Teppichleger', sagt Rudi Büttner, 'ich lege mit meiner Moderation den Teppich für die kommenden Programmpunkte.' Er scherzt sich professionell durch die Weltmeere, durch Gala-Abende, Radio- und Fernsehprogramme und durch Bierzelte. Für jede Gelegenheit hat der Plauderer ein Späßchen parat, gerne auch in Form eines Vierzeilers.
Der 'kleine Mann mit der großen Klappe' (Büttner über Büttner) ist eine multifunktionelle Stimmungskanone: Schiffsconférencier, Jubiläumsredner, Quizmaster, Modeplauderer, Radio- und Fernsehmoderator. Im ZDF hatte er einst die Show Wenn einer eine Reise tut. Nebenbei schreibt er Schlager- und Volksmusiktexte. Mehr als 500 Titel aus der Abteilung Stimmungsmusik stammen von Büttner, unter anderem das bekannte Schunkellied Links, rechts, vor, zurück, das schon Horden von Bierzeltbesuchern in dieEkstase trieb.